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Düsseldorfer Stadtgeschichte
Düsseldorf - Aspekte der Stadtentwicklung
von Clemens von Looz-Corswarem

Vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg

Während des Ersten Weltkrieges war Düsseldorf großes Nachschubzentrum und Lazarettort für die Westfront. Wie in allen deutschen Städten folgte der Euphorie und Begeisterung vom August 1914 die Ernüchterung. Krankenhäuser, Schulen und Ausflugslokale wurden zu Lazaretten umgerüstet. Seit Anfang 1915 wurden Lebensmittelkarten ausgegeben und große Wohltätigkeitsveranstaltungen zum Besten der Verwundeten und durch den Krieg in Armut geratenen Personen veranstaltet. Die Not stieg bis zum Steckrübenwinter 1917/1918, in dem es wochenlang nicht einmal Kartoffeln gab.

Nach der Revolution im November 1918 und dem Ende des Krieges wurde das linksrheinische Düsseldorf am 4. Dezember 1918 von belgischen Truppen besetzt. 1921, als sich die Reichsregierung ausserstande sah, die ihr auferlegte Kriegsentschädigung in Höhe von 269 Milliarden Goldmark aufzubringen, besetzten französische Truppen am 3. März 1921 die Städte Düsseldorf, Duisburg, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen. Am 10. Januar 1923 folgte die Besetzung des Ruhrgebietes. Von den Besatzungstruppen wurden in Düsseldorf 23 öffentliche Gebäude, darunter das Landgericht, das Polizeipräsidium, Schloss Jägerhof, die Tonhalle und der Stahlhof beschlagnahmt, ausserdem mussten 25 Wohnhäuser, 3.700 Wohnungen und 15 Schulen geräumt werden. Die Ausweisungen durch die Besatzungsmächte und die durch die Separatisten hervorgerufene Unruhe führten zur Flucht von rund 10.000 Einwohnern aus Düsseldorf. Besonders schwerwiegende Folgen für die Düsseldorfer Wirtschaft hatte jedoch die anhaltende Inflation, die jede Besserung der wirtschaftlichen Lage verhinderte.

Trotzdem gab es Anzeichen für den Glauben an einen wirtschaftlichen Aufschwung. 1922 bis 1924 entstand nach Entwürfen von Wilhelm Kreis das Wilhelm-Marx-Haus, das erste Bürohochhaus Deutschlands. In der gleichen Zeit verlegten die Großkonzerne Phoenix und Stumm sowie der Barmer Bankverein ihre Hauptverwaltungen nach Düsseldorf. Ende 1924, also noch bevor die französischen Besatzungstruppen die Innenstadt am 25. August 1925 verließen, begann man mit der Planung einer großen Ausstellung, die Düsseldorf als Kongress- und Ausstellungsstadt wieder ins Spiel bringen sollte. Diese Ausstellung für "Gesundheitspflege, Soziale Fürsorge und Leibesübungen", zu der am Rheinufer nördlich der Auffahrt zur Oberkasseler Brücke vom Architekten Wilhelm Kreis große Ausstellungsbauten erstellt wurden, wurde 1926 von über 7,5 Millionen Menschen besucht. Die Dauerbauten der GESOLEI - der Ehrenhof, das Planetarium (heute Tonhalle) und die Rheinterrasse - stellen bis heute eine Bereicherung der Stadt dar, wenngleich schon damals Kritiker darauf hinwiesen, dass durch diese Bauten der Hofgarten gegen den Rhein hin abgeschlossen und vom Fluss weggedrängt worden sei.

Ebenfalls noch in der Besatzungszeit 1924 wurde ein Wettbewerb zur Neugestaltung der Rheinfront und des Rathauses ausgeschrieben. Der mit dem zweiten Preis ausgezeichnete Entwurf von Wilhelm Kreis zeigt massige Bürobauten mit einem etwa 35 Stockwerke hohen Rathausturm. Auch die Ausdehnung der Stadt durch Eingemeindungen kam wieder in Fluss. Das Gesetz zur kommunalen Neugliederung vom Sommer 1929 gliederte die ehemalige Reichsstadt Kaiserswerth mit Teilen von Wittlaer und Kalkum und die Landgemeinde Lohausen sowie Teile der Gemeinde Ludenberg, die Gemeinde Benrath-Reisholz und Garath der Stadt ein. Damit wurde das Stadtgebiet nochmals um knapp ein Drittel vergrößert und die Einwohnerzahl auf 477.000 erhöht. Vor allem im Benrath-Reisholzer Industriegebiet entwickelte sich die Wirtschaft in dieser Zeit lebhaft. Die Henkel-Werke konnten Weltruf erlangen, die "Industrieterrains Reisholz", eine Tochtergesellschaft der Stadt Düsseldorf, baute Werftanlagen und stellte für zahlreiche andere Industriebetriebe Gelände zur Verfügung.

Richtungweisend war auch der Ausbau des zivilen Luftverkehrs auf dem ehemals für Luftschiffe erbauten Platz in Lohausen, wodurch Düsseldorf 1926 zu einem Flughafen zweiter Ordnung wurde. Weitergehende städtebauliche Veränderungen verhinderte nicht zuletzt die Wirtschaftskrise der Jahre 1931/32.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 wurde auch Düsseldorf zu einer nationalsozialistischen Stadt umgestaltet. Widersacher und Kritiker der Nationalsozialisten wurden verfolgt, alle Führungspositionen in Staat und Verwaltung mit Nationalsozialisten besetzt, alle Organisationen entweder gleichgeschaltet oder verboten. Das Führerprinzip wurde auch in der Kommunalverwaltung eingeführt. Es gelang den Nationalsozialisten, einige Ansätze zur wirtschaftlichen Gesundung aus der Zeit vor der Machtergreifung als ihre Erfolge auszugeben. So konnten der Wohnungsbau und auch die Errichtung neuer Großbauten schon zu Beginn der nationalsozialistischen Zeit in Gang gesetzt werden. An Baumaßnahmen zu nennen sind daneben der Durchbruch der Bolkerstraße bis zur heutigen Heinrich-Heine-Allee, der Neubau des Hauptbahnhofs, die Errichtung des Eisenforschungsinstitutes, des Eisstadions und der Jugendherberge in Oberkassel.

Das schon 1931 errichtete monumentale Schlageter-Denkmal, benannt nach dem von den Franzosen erschossenen Freikorpsmitglied Albert Leo Schlageter, wurde unter den Nationalsozialisten sozusagen zum Wallfahrtsort hochstilisiert. Durch den Einmarsch in die entmilitarisierte Zone 1936 übernahm Düsseldorf wieder seine Funktion als Garnisonsstadt. Auch die in Düsseldorf stark vertretene Rüstungsindustrie (u.a. Rheinmetall) erlebte einen Aufschwung. Starke Impulse für die Stadtgestaltung gingen sodann von der Reichsausstellung "Schaffendes Volk" im Jahre 1937 aus.
Da das Ausstellungsgelände am Ehrenhof und im Rheinpark nicht ausreichte, wurde der Nordpark angelegt, zu dem die Nordparksiedlung kam, die als »Schlageterstadt« eine nationalsozialistische Mustersiedlung werden sollte. War in der Schlagetersiedlung eher das bodenständige Element des Nationalsozialismus verwirklicht, so machte man sich vor allem von seiten der Gauleitung ab Mitte der 1930er Jahre Gedanken über den Ausbau von Düsseldorf zur "Gauhauptstadt". Gauleiter Friedrich Karl Florian rief Ende der 1930er Jahre eine "Stadtplanungs GmbH" ins Leben, die einen Generalbebauungsplan nach Berliner Muster für die gesamte Innenstadt aufstellte. Diese 1938, also kurz vor dem Krieg, beginnenden Planungen sollten eine radikale städtebauliche und architektonische Neugliederung mit sich bringen. Dazu gehörte ein an die Königsallee anschließendes gewaltiges Straßenkreuz im Hofgarten, dessen einer Arm quer durch die Altstadt zu einer neu zu errichtenden Brücke zum Oberkasseler Ufer führen sollte. Den Abschluss an der Königsallee sollte eine gigantische Ton- und Kongresshalle bilden, die in ihrem größten Raum über 5.000 Personen Platz bieten sollte. Ein riesenhaftes Opernhaus sollte am Corneliusplatz entstehen. Ein ebenfalls ins Gigantische überhöhtes Rathaus sollte an alter Stelle mit einem an den alten Schlossturm angelehnten Altstadthotel gebaut werden, ausserdem war ein Gauleitungsgebäude im Rheinpark vorgesehen, dessen Turm nach dem Willen des Gauleiters mehrere hundert Meter hoch werden sollte. Für die gesamte Rheinfront waren neue Gebäude von ungewöhnlicher Pracht vorgesehen.

Die Planungen für diese ans Phantastische reichende Neugestaltung der Stadt wurden auch während des Krieges weitergeführt, ja, sie erhielten mit zunehmender Zerstörung der Stadt neue Nahrung. Noch im Jahre 1943 wurde ein Architektenwettbewerb für die große Tagungs- und Kongresshalle am südlichen Ende der Königsallee ausgeschrieben. Die zum Teil erhalten gebliebenen Entwürfe zeigen, dass diesen gigantischen Baumaßnahmen große Teile der Innenstadt geopfert werden sollten. So ist es nicht verwunderlich, dass es zu starken Gegensätzen zwischen dem Planungsbüro des Gauleiters und den städtischen Planungsämtern kam. Diese bemühten sich, den Hofgarten zu erhalten, die Ost-West-Achse fallenzulassen und eine Nord-Süd-Achse parallel zur Königsallee vorzuschlagen. Dieser letztere Entwurf des Stadtplanungsamtes wurde nach dem Krieg mit der Anlage der Berliner Allee wieder aufgegriffen.

Die nationalsozialistische Selbstdarstellung und Machtentfaltung stand der Unterdrückung, Ausgrenzung und Vernichtung all der Menschen gegenüber, die sich nicht den Wert- und Ordnungsvorstellungen der neuen Machthaber anpassen wollten oder von einer menschenverachtenden, Hass predigenden Ideologie zu Feinden erklärt worden waren.

Schon am 11. April 1933 wurde am Rhein durch die Hitlerjugend "unerwünschte" Literatur, unter anderem von Heinrich Heine, verbrannt, die linksorientierte Presse wurde verboten und erste Hetzkampagnen gegen jüdische Geschäfte gestartet. Die etwa 5.000 jüdischen Einwohner der Stadt wurden ab 1935 systematisch ausgegrenzt, zunächst, indem jüdische Organisationen und Einrichtungen aufgelöst wurden, dann durch zwangsweise Umsiedlung, Enteignung und den Zwang, jüdische Vornamen anzunehmen. Ab 1938 wurden Verhaftungen häufiger. Bei dem Pogrom in der Nacht zum 10. November 1938 wurden jüdische Wohnungen zerstört, Juden misshandelt und verhaftet und mindestens acht Menschen ermordet. Nach Kriegsbeginn wurden den Juden die Auswanderung unmöglich gemacht. Am 27. Oktober 1941 verließ schließlich der erste Deportationszug mit Düsseldorfer Juden den Güterbahnhof Derendorf in Richtung Lodz. Unterdrückt, ausgegrenzt und ermordet wurden auch Sinti und Roma, "Ernste Bibelforscher" (die heutigen Zeugen Jehovas), Insassen von Heilanstalten. Widerstand, wie er sich vor allem in den Arbeitervierteln, unter anderem in Gerresheim, zeigte, wurde mit großer Brutalität niedergeschlagen.

Während des Zweiten Weltkrieges machte sich zunehmend der Mangel an Arbeitskräften in der Rüstungsindustrie, aber auch beim Gewerbe und in allen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens bemerkbar. Deswegen wurden zunächst Arbeitskräfte aus dem westlichen Ausland angeworben und zwangsverpflichtet. Später wurden in sehr hohem Maße Zwangsarbeiter aus dem Osten eingesetzt, meist junge Frauen und Männer, die, in Lagern untergebracht, unter zum Teil unmenschlichen Verhältnissen arbeiten mussten. 1944 lebten in rund 400 Lagern in Düsseldorf mehr als 35.000 ausländische Zivilarbeiter, hinzu kamen einige tausend Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge, die in Düsseldorf Zwangsarbeit leisten mussten.

Die ersten Zerstörungen im Stadtgebiet wurden von den Nationalsozialisten selbst durchgeführt. In der sogenannten "Reichspogromnacht" am 10. November 1938 wurden nicht nur zahlreiche jüdische Wohnungen und Geschäfte verwüstet, sondern auch die Synagogen in der Kasernenstraße und in Benrath in Brand gesteckt und zerstört. Während der ersten Kriegsmonate blieb es in Düsseldorf noch relativ ruhig. Ab Mai 1940 gab es die ersten Luftangriffe, bei denen aber nur relativ wenige Bomben fielen und nur wenige Tote und Verletzte zu beklagen waren. Erst 1942 nahmen die Angriffe zu, bei denen ganze Bomberflotten auf Düsseldorf angesetzt waren. Ein Großangriff fand in der Nacht vom 31.7. auf den 1.8.1942 statt, bei dem vor allem die südlichen Stadtteile, die Friedrichstadt und die Stadtmitte getroffen und ca. 290 Tote und über 1.000 Verletzte gezählt wurden. Ein weiterer Angriff am 10.11.1942 traf die Altstadt und die Stadtmitte mit 132 Toten und 550 Verletzten. Weitere Großangriffe am 27.1.1943, am 12.6.1943, am 22.4.1944 und am 24.4.1944 forderten jeweils mehrere hundert oder sogar Tausende Tote.
Alles in allem wurden 243 Angriffe gezählt, bei denen 5.863 Zivilpersonen ums Leben kamen. Der Zerstörungsgrad, vor allem in der Innenstadt, war ausserordentlich hoch. Von 176.000 Wohnungen wurde über die Hälfte, ca. 92.000, vernichtet. Alle drei Rheinbrücken, darunter eine Eisenbahnbrücke, zahlreiche Straßen, Hochwasserdeiche, Unter- und Überführungen sowie das Entwässerungsnetz waren weitgehend zerstört worden. Die Trümmermenge wurde auf ca. 10 Millionen Kubikmeter geschätzt. Die Einwohnerzahl, die 1939 noch rund 540.000 betrug, ging auf rund 235.000 Einwohner am 17. April 1945 zurück. Düsseldorf war sieben Wochen Frontstadt. Während das linksrheinische Gebiet von Düsseldorf schon am 2.3.1945 durch die Amerikaner besetzt worden war, zogen rechtsrheinisch erst am 17.4.1945, nach der Einschnürung des Ruhrkessels, amerikanische Truppen ein und besetzten die Stadt nahezu kampflos. Noch einen Tag vor der Besetzung mussten einige tapfere Bürger, die diese kampflose Übergabe geplant hatten, ihr Leben lassen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war Düsseldorf "eine Trümmerstadt, durch einen brückenlosen und durch zahlreiche Schiffswracke gesperrten Strom in zwei Teile getrennt, eine Stadt, in der Tausende von Menschen in Bunkern und Kellern wohnten, eine Großstadt, in der keine Straßenbahn fahren konnte, eine Stadt, deren Bewohner durch die Schrecken des Krieges erschüttert und nach der politischen Verirrung mutlos geworden waren, eine Stadt, in der Hunger und Not herrschten und Verwahrlosung und Demoralisierung zu einer immer größeren Unsicherheit führten, eine Stadt, in der primitivste Regeln der Hygiene vielfach nicht mehr beachtet werden konnten, in der die notwendigsten Gebrauchsgegenstände fehlten und selbst keine Särge mehr für die Toten vorhanden waren, das war das traurige Erbe, das diejenigen vorfanden, die sich für die Wiederingangsetzung und den Wiederaufbau der städtischen Verwaltung einsetzten und damit unserem schwer heimgesuchten Düsseldorf die erste und wichtigste Hilfe leisteten."
So steht es 1949 im ersten Verwaltungsbericht der Stadt nach dem Krieg.


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