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Düsseldorfer Stadtgeschichte
Düsseldorf - Aspekte der Stadtentwicklung
von Clemens von Looz-Corswarem

Die siebziger und achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts

Der Wiederaufbau von Düsseldorf konnte Ende der 1960er Jahre als abgeschlossen gelten. Im Sommer 1965 war mit den Vorarbeiten der dritten Straßenbrücke über den Rhein im Bereich der Innenstadt, der Kniebrücke, begonnen worden, sie wurde im Oktober 1969 dem Verkehr übergeben. Für die Oberkasseler Brücke, die noch immer eine "Dauerbehelfsbrücke" war, wurde im Oktober 1968 der Umbau beschlossen. Anfang April 1976 wurde die neue Oberkasseler Brücke in einem spektakulären Querverschub an ihre jetzige Stelle geschoben. Ebenfalls noch Ende der 1960er Jahre beschlossen und dann in den 1970er Jahren verwirklicht wurden die Errichtung eines neuen Messegeländes im Norden der Stadt und der Bau einer U-Bahn. Das Messegelände in Stockum konnte Oberbürgermeister Willi Becker der Düsseldorfer Messegesellschaft NOWEA am 20.8.1971 übergeben, und ein erstes Teilstück der U-Bahn zwischen Kennedydamm und Opernhaus konnte nach fast zehnjähriger Bauzeit am 3.10.1981 in Betrieb genommen werden.

Die Einwohnerzahl von Düsseldorf, die vor dem Kriege (1939) 536.000 und beim Ende der Kampfhandlungen 1945 nur noch 235.000 betragen hatte, erreichte 1950 schon wieder die 500.000-Grenze. 1960 wurden knapp 700.000 Einwohner gezählt und 1962 mit 705.000 der bisherige Höchststand erreicht. Seit der Mitte der 1960er Jahre nahm die Einwohnerzahl jedoch kontinuierlich ab. Trotz der Eingemeindungen von Angermund, Wittlaer, Kalkum, Hasselbeck, Schwarzbach, Hubbelrath und Unterbach im Jahre 1975 ging sie bis zum Jahre 1982 auf 589.000 zurück. Ende 1988 besaß die Stadt noch 568.000 Einwohner. In dem Maße, in dem die Bürger ausserhalb der Stadtgrenze von Düsseldorf Wohnung nahmen, intensivierten sich die Pendlerströme, wurde ein zunehmender Straßenausbau und Ausbau des Nahverkehrsnetzes notwendig. In der Innenstadt selbst entstanden in den 1970er und 1980er Jahren neue Verwaltungsgebäude, Bürozentren, Sitze von Firmen, aber auch Hotelbauten, Geschäftshäuser und Einrichtungen, die der Kultur und dem Sport dienen. 1974 wurden der RWI-Bürokomplex in Bilk und der Neubau der Veba-Hauptverwaltung am Kennedydamm eröffnet, 1975 die Oberpostdirektion an der Sohnstraße und das Wohn- und Gewerbezentrum Am Seestern fertiggestellt, 1976 das Landesamt für Statistik in der Mauerstraße und das Hochhaus der Landesversicherungsanstalt in der Nähe des Graf-Adolf-Platzes erbaut. In das Jahr 1979 fiel die Grundsteinlegung für den Fernmeldeturm, 1980 wurden der Neubau des Innenministeriums an der Haroldstraße und das WZ-Center an der Königsallee eröffnet. 1981 beschloss der Landtag einen Neubau im ehemaligen Berger Hafen, und 1983 legte man den Grundstein für das Aquarium im Nordpark und die Victoriaversicherung auf dem alten Messegelände. 1985 wurden der neugestaltete Hauptbahnhof, das Wehrhahncenter, das neue Technische Rathaus am Hennekamp und der Neubau der Dresdner Bank an der Königsallee eröffnet. Dieser Bau, bei dem die alte Fassade erhalten blieb und dahinter völlig neue Räumlichkeiten entstanden, zeigt, dass schon ein Umdenken im Verhältnis zur alten Bausubstanz stattgefunden hatte.

Daneben wurden in Düsseldorf architektonisch auch völlig neue Wege gegangen. Hervorragende Bauwerke sind die neue Landesgalerie, die Kunstsammlung NW (K20) am Grabbe-Platz, die am 14. März 1986 eingeweiht wurde, die postmoderne Bebauung an der Südseite des Hauptbahnhofes um den Bertha-von-Suttner-Platz (1986/87), und nicht zuletzt natürlich der Neubau des am 2. Oktober 1988 eröffneten Landtages im alten Berger Hafen neben dem schon 1982 fertiggestellten Fernmeldeturm.

Das bedeutendste Großprojekt der 1980er und 1990er Jahre ist aber mit Sicherheit die Tieflegung der Rheinuferstraße und die Neugestaltung des Geländes des alten Hafens an der ehemaligen Dammstraße. Hier, in unmittelbarer Nähe des Rathauses, inmitten der Altstadt, sollte auf einem Gelände, das ursprünglich für einen Rathausneubau freigehalten worden war, ein großes Wohn- und Geschäftszentrum entstehen. Der erste Spatenstich zu diesem Großprojekt erfolgte am 27. September 1984, am selben Tage, an dem das um einige Meter versetzte, hinter der alten Fassade wieder aufgebaute Carsch-Haus der Firma Horten wieder eröffnet wurde. Als bei den Ausschachtungsarbeiten an der Dammstraße die alten Bastionen aus kurfürstlicher Zeit mit dem ehemaligen Sicherheitshafen zutage traten, bildete sich eine Bürgerinitiative, die die Erhaltung dieser Mauern forderte. Über ein Jahr lag die Baustelle still. Nach völlig neuen Plänen wurden über einer mehrstöckigen Tiefgarage die alten Bastionen und das ehemalige Hafenbecken wieder sichtbar gemacht und daneben neue Wohn- und Geschäftshäuser errichtet. Die mehrgeschossige Tiefgarage wurde schon am 24. Mai 1989 eröffnet. Es schloss sich die bedeutendste Baumaßnahme für die Düsseldorfer Innenstadt an, die Tieflegung der Rheinuferstraße, durch die die Altstadt wieder an den Rhein gerückt wurde. Nach nur knapp vierjähriger Bauzeit konnte der 1,9 km lange Tunnel am 15. Dezember 1993 dem Verkehr übergeben werden.


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